Wenn ein Blogger lange nicht bloggt, kann das ein gutes Zeichen sein, nämlich dass er etwas Neues ausbrütet. In meinem Fall konnte ich das Ergebnis gestern beim
WikiTreffen präsentieren: Die Datenbank Freie Juristische Internetprojekte
fjip.de.
Den Beschluss, freie juristische Internetprojekte zu "sammeln", hatten wir schon während des
Gesprächskreises beim EDV-Gerichtstages im Jahr 2004 gefasst. So entstand zunächst eine
einfache Liste im JuraWiki. Anfang 2005 versuchte ich dann,
im JuraWiki eine Art Datenbank mit Wiki-Mitteln zu realisieren. Es gibt immerhin 64 Einträge, die teilweise von den Betreibern der jeweiligen Projekte selbst angelegt wurden.
Die Idee war, nicht nur die Namen und die URL der Projekte festzuhalten, sondern ein paar weitere Informationen. Das wird dann besonders interessant, wenn ein Projekt offline geht. Erinnert sich noch jemand an das Weblog "Shice Biz" der "Jurastudentin" (später "Rechtsreferendarin")? Im JuraWiki gibt es immerhin einen
Screenshot und ein paar Basis-Informationen, die über
archive.org hinausgehen. So gesehen ein wichtiger Beitrag zur "Blawg-Forschung" (siehe hierzu schon
LAWgical vom 12.03.05).
Den Weblogs widmeten wir im JuraWiki von Anfang an besondere Aufmerksamkeit, zunächst auf der
Seite WebLog und dann auf der
Seite Blawg. Als ich anfing,
mit OPML zu experimentieren, kam mir Kollege Rainer Langenhan zuvor und gründete die germanblawgs.opml - die er zunächst im
Handakte WebLAWG pflegte und schließlich mit Unterstützung seiner Frau Melanie Langenhan auf
germanblawgs.de auslagerte. Ich selbst durfte bei dem Projekt mitwirken und so versuchten wir in diesem Rahmen die Idee umzusetzen, die Entwicklung der deutschsprachigen juristischen Blogosphäre zu dokumentieren. Es stellte sich aber schnell heraus, dass ich den Aufwand,
zu jedem neuen Weblog einen Blog-Beitrag zu verfassen, auf Dauer nicht treiben kann. Und auch wenn Melanie Erstaunliches auf germanblawgs.de gezaubert hat, ist das zugrundeliegende Wordpress doch in erster Linie ein Weblog mit begrenzten technischen Möglichkeiten.

Im Rahmen meiner Arbeit beim Beck-Verlag
entdeckte ich Drupal und habe mich inzwischen sehr intensiv damit beschäftigt. Mit Drupal habe ich jetzt das Werkzeug, um eine Online-Datenbank nach meinen Vorstellungen umzusetzen. Auf
fjip.de ist der Wiki-Gedanke erhalten geblieben, d. h. jeder kann neue Projekte in die Datenbank aufnehmen oder die Angaben bestehender Projekte ändern oder ergänzen und alle alten Versionen bleiben erhalten. Außerdem können Kommentare zu Projekten verfasst werden. Wem das also zu viel Umstand ist, die Inhalte selbst zu pflegen, der kann diesen Weg wählen.
Der große Mehrwert gegenüber den bisherigen Ansätzen liegt in der Möglichkeit, die Projekte komfortabel nach verschiedenen Kriterien zu filtern. So erhält man erstmalig einen wirklichen Überblick über die freien juristischen Internetprojekte. Wobei die Sammlung im Moment natürlich noch nicht vollständig ist, aber immerhin konnte ich die von mir neulich erst auf den aktuellen Stand gebrachte
GermanBlawgsQuelle importieren.
Der Clou ist, dass der Nutzer sich von der gefilterten Auswahl eine individuelle OPML-Datei erstellen lassen und in seinen Feed-Reader importieren kann. Für die OPML der aktiven juristischen Weblogs stelle ich also den Filter "Art" auf "Weblog" und "Status" auf "online". Auf Wunsch kann ich noch das Rechtsgebiet einschränken oder mir nur die von Rechtsanwälten betriebenen Weblogs auswählen usw.
In
JuraBlogs.com ist mit dem Relaunch jetzt gerade Bewegung gekommen und vielleicht baut Matthias Klappenbach noch ähnliche Funktionen ein. Ich verfolge mit fjip.de im Grundsatz aber einen anderen Ansatz. Mir geht es nicht darum, die Inhalte zu verbreiten, als viel mehr um die Dokumentation der Projekte selbst. Und halt eben nicht nur Weblogs, sondern alle freien Projekte im juristischen Bereich.
Die Datenbank kann uns möglicherweise auch gute Dienste leisten bei der Wahl des Besten Freien Juristischen Internetprojekt beim EDV-Gerichtstag (hier die
Seite vom letzten Jahr). Die Voting-Funktionen von Drupal habe ich schon mal getestet.
Ich habe fjip.de jetzt als "Alpha-Test" freigeschaltet. D. h. es gibt noch jede Menge zu verbessern und Ideen für den weiteren Ausbau. Womit wir schon wieder beim Thema "
Recht sucht Informatik" wären.
Auch bei der Pflege der Daten ist jede Unterstützung willkommen. So müssen die jetzt bereits erfassten Projekte jedenfalls noch den Rechtsgebieten zugeordnet werden. Schade, dass wir die Datenbank noch nicht als Werkzeug für unseren
Praxis-Workshop Rechtsinformatik zur Verfügung hatten, das hätte den Studenten die Arbeit wesentlich erleichtert und wir könnten jetzt weiter darauf aufbauen. Aber selbst, wenn jetzt jeder nur nach seinem eigenen Projekt schaut, wäre schon viel gewonnen. Man findet das im Moment übrigens noch am besten über die "
Projekt-Übersicht" und dann Strg-F.
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